Indische Regierung wird massiver Luftverschmutzung im Norden des Landes nicht Herr

Indische Regierung wird massiver Luftverschmutzung
im Norden des Landes nicht Herr

 Ein Bündnis aus Gruppierungen, Einzelpersonen und Unternehmen ruft die indische Regierung dazu auf, umgehend wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung der Luftverschmutzung zu ergreifen

Gesundheitskrise: Luftgütemessstationen zeigen für den Norden Indiens PM2,5-Werte, die die WHO-Norm um mehr als das Zehnfache übersteigen.

Neu-Delhi, Donnerstag, 7. Dezember: Nordindien ist von einer Gesundheitskrise betroffen, die durch eine nie zuvor erreichte Konzentration gefährlicher Schadstoffe in der Luft verursacht wird. Der vom indischen Central Pollution Control Board (CPCB) erlassene Richtwert für PM2,5 (Feinstaub) liegt bei 60 µg/m3, während die Weltgesundheitsorganisation WHO nur 25 µg/m3 vorsieht (Durchschnittswerte über 24 Stunden). Im Oktober wurde in Nordindien ein Pegel von über 500 µg/m3 gemessen; bis heute liegen die Werte durchgängig bei über 250 µg/m3. Die schädlichen Partikel in der Luft sind so klein, dass sie in Herz, Lunge, Blutkreislauf und Gehirn gelangen können.

Im vergangenen Jahr starben in Indien mehr als 1,2 Millionen Menschen an durch Luftverschmutzung bedingten Krankheiten.

Mitten in dieser Krise hat die indische Central Electricity Authority (CEA) verlauten lassen, dass es Wärmekraftwerken für weitere fünf bis sieben Jahre gestattet bleiben soll, die Luft in unbegrenztem Ausmaß zu verschmutzen – eine klare Missachtung der Vorgaben des indischen Umweltministeriums und ein eindeutiger Kniefall vor den großen Energieunternehmen.

Diese Woche treten in Nairobi, Kenia, die Staats- und Regierungschefs der Welt zusammen, um im Rahmen des UN-Umweltgipfels eine politische Erklärung zum Thema Luftverschmutzung zu verabschieden. Indien bietet sich die enorme Chance, den Erlass wirksamer Emissionsnormen für Wärmekraftwerke zu beschleunigen und so die Luftverschmutzung im ganzen Land deutlich zu verringern. Wird Dr. Harsh Vardhan die Gelegenheit nutzen und sich die zahlreichen Länder zum Vorbild nehmen, die bereits wirksame Maßnahmen zur Durchsetzung von Emissionsnormen ergriffen haben und nun in den Genuss des ökologischen und gesundheitlichen Nutzens kommen?

Heute trafen sich 135000 Menschen aus einem Bündnis von Gruppierungen, Einzelpersonen und Unternehmen, darunter Greenpeace India, Help Delhi Breathe, My Right to Breathe, Jhatkaa und The Climate Agenda, in den Räumen des indischen Gesundheitsministers, um ihrer Forderung nach wirksamen Maßnahmen zur Begrenzung der schädlichen Emissionen von über 300 thermischen Kraftwerkseinheiten in Indien Nachdruck zu verleihen.

Bereits 2015 hat das indische Umweltministerium strengere Umweltschutzrichtlinien für die Wärmekraftwerksindustrie erlassen, nach der alle Wärmekraftwerke die Wasserersparnis erhöhen und den Ausstoß von Schadstoffen in die Luft senken sollten. Hierzu zählen giftige Schadstoffe wie Schwefeldioxid, Stickstoffoxide, Quecksilber und Feinstaub.

Diese wichtigen gesetzlichen Regelungen sollten noch dieses Jahr in Kraft treten, was bis heute nicht geschehen ist. Stattdessen hat die CEA die Vorgaben des Umweltministeriums missachtet und für mehr als 300 Einheiten in 150 Wärmekraftwerken in ganz Indien die Pflicht zur Regulierung der Umweltverschmutzung weiter ausgesetzt – mit der Folge, dass mehr als 300 thermische Kraftwerkseinheiten weitere fünf bis sieben Jahre lang die Umweltauflagen umgehen und die Luft in Indien in extrem hohem Maße verschmutzen können.

Schwefeldioxid (SO2) und Stickstoffoxide (NOx) sind bei Einatmen giftig und führen zu sekundärer Feinstaubbildung. Das Einatmen dieser Gase kann Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis verursachen bzw. verschlimmern und den Zustand bei bestehenden Herzerkrankungen verschlechtern. Die Asthma-Fälle nehmen in Indien bereits zu – nach Angaben von Ärzten ist bei umweltbedingten Erkrankungen ein Anstieg von 60 bis 70 % zu verzeichnen.

Zur Einhaltung der strengeren Umweltschutzrichtlinien für SOx müssen die Kraftwerke mit sogenannten Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA) aufgerüstet werden, die dazu dienen, Schwefeldioxid (SO2) aus den Abgasen fossiler Kraftwerke zu entfernen. Obwohl der Industrie ein Zeitfenster von zwei Jahren eingeräumt wurde, um die erforderliche Technologie zu installieren, hat die Mehrzahl der Betroffenen auf die offizielle Aufforderung hin damit begonnen, gegenüber der Regierung Einwände gegen die Richtlinien geltend zu machen.

Einer jüngst veröffentlichten Studie zufolge waren kohlebasierte Wärmekraftwerke-Cluster in allen 23 untersuchten indischen Bundesstaaten für mehr als 75 % der Gesamtemissionen von SO2 verantwortlich, in 16 indischen Bundesstaaten sogar für mehr als 90 %.

Zitate:

„In Indien sterben weitaus mehr Menschen durch Luftverschmutzung als durch Terrorismus und die Apathie der Regierung und ihre Leugnung des Themas sind nichts weniger als ein Verbrechen an der eigenen Bevölkerung.“

Brikesh Singh, Mobilisation Strategist, Asar

„Kohlekraftwerke liegen außerhalb der großen Städte – in Gemeinden, die häufig nicht die Macht haben, sich dem zu widersetzen, was vor Ort geschieht. Sie sind meist arm und liegen fernab der Zentren mit hoher Dichte politisch motivierter Menschen und der Eliten. Jede Gemeinde im Land sollte das Recht haben, vor Luftverschmutzung geschützt zu werden. Und auch die Bewohner der Großstädte sind nicht vor giftigen Abgasen sicher, denn die schlimmsten Gase, vor allem SOx und NOx, erreichen auch hunderte Kilometer entfernt gelegene Stadtzentren.“

Reecha Upadhyay, Director, Help Delhi Breathe

„Wir Bürger haben uns zusammengeschlossen, um gemeinsam an Lösungen zur Bekämpfung der unzumutbaren Umweltverschmutzung zu arbeiten, die durch das herrschende Desinteresse an der öffentlichen Gesundheit in den letzten Jahren verursacht wurde. Der erste Schritt bestand darin, das Bewusstsein der Bürger zu schärfen und anzuerkennen, dass die Umweltverschmutzung ein ernstes Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellt. Wir hoffen nun, dass die kollektive öffentliche Stimme die politischen Entscheidungsträger letztendlich zum Handeln zwingen wird.“

Ravina Raj Kohli, Gründungsmitglied von #MyRightToBreathe

„Die Untätigkeit der Regierung und die fehlende Umsetzung von Emissionsnormen für Kohlekraftwerke innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens von zwei Jahren zeugen von einem eklatanten Mangel an politischem Willen und machen deutlich, dass hier das Interesse einiger Weniger (sprich: der Kohleindustrie) mehr gilt als die öffentliche Gesundheit der eigenen Landsleute. Das muss sich ändern: Diese großen Umweltsünder und der von ihnen verursachte Ausstoß giftiger Emissionen in die Luft sollten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden. Es ist schlichtweg untragbar, weitere fünf bis sieben Jahre darauf zu warten, dass die entsprechenden Normen eingehalten werden, wo bereits zwei kostbare Jahre ungenutzt verstrichen sind. Das Ministerium muss für jedes einzelne Kraftwerk zielgerichtete, umsetzungsfähige Fristen und konkrete Pläne vorlegen, um die Einhaltung der Richtlinien in einer Form zu gewährleisten, die allen Interessenvertretern über öffentlich zugängliche Plattformen eine genaue Kontrolle ermöglicht.“

Sunil Dahiya, Senior Campaigner, Greenpeace India 

Was genau passiert heute in Neu-Delhi?

Eine Reihe von Organisationen trifft sich heute in den Räumen des Gesundheitsministers, um mit diesem zu sprechen und ihm eine Petition zu überreichen, in der gefordert wird, dass die Frist für die Umsetzung strengerer Umweltnormen nicht verlängert wird und Wärmekraftwerke zur Verantwortung gezogen werden. Ein offizieller Termin beim Minister wurde uns nicht gewährt.

Hinweise für die Redaktion:

Frühere Pressemitteilungen über Aktionen von Greenpeace India rund um das von Greenpeace India-Aktivisten im Rahmen des National Green Tribunal eingereichte Gesuch:

PR from our meeting with the Environment Minister in June 2017

Implementation of emission standards of thermal power plants must be expedited

105241 citizens represented in petition delivery to MoEF&CC

NGT Pulls Up MOEF&CC For Lack Of Action

Die Emissionsnormen in der Presse:

Centre has the powers to tackle Delhi’s pollution crisis, but it is passing the buck

While Delhi suffocated, Centre sat on industrial emission norms drafted in 2014

Clarify stand on emissions: NGT

Thermal power plants may dodge new emission norms: report

 

Soziale Netzwerke:

#MyRightToBreathe

 

 

 

Forschung bestätigt EU Vorschlag zur Begrenzung der Grundschleppnetzfischerei

Während 28 EU-Fischereiminister diese Woche über Regelungen zur Tiefseefischerei beraten, prognostizieren neue wissenschaftliche Ergebnisse dramatische Konsequenzen in den Weltmeeren in Bezug zu der kommerziellen Grundschleppnetzfischerei unter 600 Meter. Die Studie “A Scientific Basis for Regulation Deep-Sea Fishing by Depth” von Clarke et al. die im Fachblatt Current Biology erschient, kommt zu dem Schluss, dass “das Beschränken der Grundschleppnetzfischerei auf eine Maximaltiefe von 600 Metern eine effektive Bewirtschaftungsstrategie darstellen könnte, die konform ist mit den Anforderungen der europäischen Gesetzgebung”. Je tiefer man fischt, desto schwerwiegender werden die Schäden, die verursacht werden, was den Nutzen für die Fischerei schmälert, daher fordert Matthew Gianni (Deep Sea Conservation Coalition) ein Verbot für die Tiefseefischerei unter 600 Meter und Schutzmaßnahmen für das Tiefenökologiesystem um eine nachhaltige Fischerei sicherzustellen.    

Reaktionen:

Fanganalyse: Unter 600 Meter sollte nicht gefischt werden

Evidence supports trawling depth limit – Analysis reveals ecosystem damage and diminishing economic returns below 600 metres.

Drawing a line under deep-sea fishing: A scientific basis for regulation by depth

Thalys, so macht Reisen Spaß

Mit einer Tassen Tee in der Hand sieht die Welt gleich besser aus. Der freundliche Herr vom Thalys versteht die Frühreisenden aus Köln und schenkt fleißig heiße Getränke nach. Überall werden die Mitreisenden langsam wach. Man hört es an dem Umblättern der Zeitungen  und an dem schneller werdenden Getippe auf den Tastaturen. Draußen scheint die Sonne und in der Reihe nebenan fährt ein ca. 2 Jähriger mit seinem Papa. Dank seiner Freude bemerke ich wie schön diese Fahrt heute Morgen ist. Danke Europa fürs näher zusammenrücken!

Thalys verbindet

20 Jahre und kein bisschen leiser: MuMei in Bonn

Auch dieses Jahr wieder ein voller Erfolg mit Klasse Ideen, vielen glücklichen Gesichtern und tollen Aktionen. Das Bonner Museumsmeilenfesten lebt! Wer nach 20 Jahren immer noch so viel Esprit hat, der macht es Gold richtig. Danke an alle Ehrenamtlichen, Mitarbeiter, Studenten und Motivierte für diese tollen Tage im Juni 2015. Weiter so in 2016.

Museumsmeilenfest in Bonn